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Dies ist der Brief aus dem Jahr 1842, den Johann Friedrich Bruchwitz (1769-1846) aus Heinrichswalde in Vorpommern an seinen Bruder Johann Christoph Bruchwitz in Tating in Eiderstedt (sogenannte Eiderdänen), seinerzeit zum Herzogtum Schleswig gehörig, geschrieben hatte.


Das Cover (Seite mit Adressierung) des Briefes aus dem Jahr 1842, der durch Joh. Friedrich Bruchwitz von Heinrichswalde (Postamt Ferdinandhof) nach Tating in Eiderstedt an Joh. Christoph Bruchwitz gesendet wurde

der B r i e f des Johann Friedrich Bruchwitz an Johann Christoph Bruchwitz



Sr. Wohlgeboren

Dem Herrn Joh. Chr. Bruchwitz

zu Tating bei Tönningen in der Landschaft Eiderstädt


Lieber Bruder

Deinen lieben Brief vom 24. März haben wir richtig erhalten und freuen uns recht sehr wieder etwas von Dir zu hören, da wir so lange keine

Nachricht von Dir hatten. In Deinem uns so werthem Schreiben benachrichtigest Du uns, dass Deine erste Frau 1827 gestorben ist, und dass Du

1830 wieder geheiratet hast auch schreibst Du uns, dass Du mit Deiner zweiten Frau zwei Kinder hast, erwähnst aber durchaus nichts von Deiner

Tochter Dorothee Elisabeth aus der ersten Ehe, schreibe uns doch daher, ob diese gestorben ist oder ob sie noch am Leben. Was uns ferner recht

gefreut hat ist, dass es Dir recht geglückt hat, da Du schreibst, dass Du jetzt eine Wirthschaft von nicht ganz unbedeutendem Umfang besitzest,

und dass Du recht glücklich mit Deiner lieben Frau lebst. Zwar schreibst Du, dass Du vor einigen Jahren an Bruder Christian geschrieben hast ,

jedoch haben wir nichts davon erfahren, und wussten also nicht, ob Du noch am Leben seist, weshalb wir nicht eher geschrieben haben. Deinen

letzten Brief, den wir von Dir erhielten, war vom Jahre 1813 und seit dieser Zeit hat sich bei uns manches verändert, und da Du gerne wissen willst,

wie es jetzt mit unserer Familie aussieht, so benachrichtigen wir Dir dies mit vielem Vergnügen. Von Deinen Geschwistern ist leider niemand mehr

am Leben. Ich habe meinen Bauernhof bereits an meinen jüngsten Sohn August übergeben, welcher schon geheiratet hat und mit seiner Frau recht

glücklich lebt, auch diese haben schon einen Sohn. Mit mir steht es jetzt gegen früher schon weit schwächer, in dem ich immer älter werde, auch

habe ich das Unglück gehabt, vor ungefähr 6 Jahren mit mehreren anderen Bauern und Büdnern abzubrennen, wodurch sich aber unser Dorf

bedeutend verschönert hat, übrigens sind unsere Bauernhöfe abgelöst, und nun unser Eigentum, weshalb unser Dorf immer besser und schöner wird,

da sich jeder Bauer soviel als möglich Mühe giebt, sein Eigentum zu verbessern. Außer diesem Sohn lebt noch ein Sohn und 3 Töchter, welche

sämtlich verheirathet sind. Unser Bruder Christian ist bereits 1834 am 5. August gestorben und hat 4 Söhne und 4 Töchter

hinterlassen, von denen die eine Caroline den Hof bekommen hat und den Sohn des Büdners Neckar von Rothmühl geheiratet hat, sie ist aber bereits

gestorben. Der älteste Sohn Johann ist 1807 in der Belagerung von Colberg gestorben, der zweite Christian, welcher bei Dir gewesen ist, ist 1816

hier, nachdem er die beiden Feldzüge mitgemacht hatte gestorben. Der dritte Johann-Friedrich hat als Unteroffizier die beiden Feldzüge mitgemacht

und meine älteste Tochter geheiratet, er hat sich bei dem Bauer Splittgerber ein Haus gebaut und lebt mit seiner Frau und vier lebenden Kindern

recht glücklich. Der vierte ist auch hier im Dorfe verheirathet. Von den übrigen Töchtern ist eine noch im Hof, eine hier und die andere in

Sprengersfelde verheirathet. Bruder Heinrich ist im Juni 1820 zu Rothemühl verstorben und hat 4 Söhne hinterlassen, von denen noch 2 in ihres

Vaters hause wohnen, die übrigen sich aber in der Fremde befinden. Deine Schwester Christine, verehelichte Gilbert ist bereits am 11. Januar 1837

gestorben , auch ihr Mann ist schon den 2. Oktober 1820 gestorben, aus dieser Ehe lebt ein Sohn Johann Gilbert, welcher eine Tochter vom Bauer

Mante, nachher Schulze geheirathet hat, noch in seines Vaters Wirtschaft wohnt und 3 Söhne und 4 Töchter am Leben hat. Auch der alte Vater Mante,

dein Jugendfreund, ist noch am Leben und ein rüstiger Greis. Hiermit glaube ich, Dir unsere Familienverhältnisse soviel als möglich mitgeteilt zu

haben und schließe, indem ich Dich sowie Deine liebe Frau und Kinder vielmal grüsse. Auch lässt Dich mein Sohn nebst Frau, Dein Schwestersohn

Johann Gilbert, Dein Bruder Sohn Friedrich Bruchwitz, Papa Mante sowie alle sonstigen Verwandten vielmal grüssen. Lebe recht wohl und schreibe

uns bald wieder und vergiss nicht

  Deinen

Dich stets liebenden Bruder

Johann Friedrich Bruchwitz

Heinrichswalde , den 3. April 1842



Nienburg, im August 2016, Heiner Bruchwitz


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