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Abb.: Wappen der Edlen von Völs


Ritter Velislaus von Völs - Herr von Brauchitsch

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die von Völs (Fels, Vels) stammen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Im Jahr 1188 wurde der Name Velles bzw. Völs zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde des Klosters Benediktbeuern in Bayern erwähnt. Es wurde dabei ein gewisser Henricus de Velles als Zeuge genannt. Eine Burg "Vellenberg" unweit von Völs wurde bereits im Jahr 1164 erwähnt. Die Burg Vellenberg hatte eine strategische gesehen gute Lage, und sie war ein bedeutender Gerichtssitz im mittleren Inntal.

Abb: Zeichnung - Die Schlacht bei Liegnitz im Jahr 1241 - aus einem Hedwig-Kodex - 14. und 15. Jahrhundert

Mitte des 13. Jahrhunderts machte sich ein Ritter aus der Ministerialien-Familie "von Völs" auf den Weg in Richtung Polen und Schlesien. Seine Brüder Arnold und Heinrich, die beide verheiratet waren, lebten auf der Burg Prösels in Tirol. Arnold von Völs hatte Hilttburg Tarrantis geheiratet, und Heinrich war mit Gesa von Schenkenberg vermählt, die aus dem Haus Löwenstein-Schenkenberg stammte. Ihr Stiefbruder war Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg, der ein nichtehelicher Sohn des Römisch-Deutschen Königs Rudolf von Habsburg gewesen war.

Die meisten der etwa vierhundert Ritter, die nach Schlesien kamen, stammten aus dem Deutschen Reich und zwar aus den nahe gelegenen Regionen der Ober- und Niederlausitz, Meißen und Thüringen. Vereinzelt siedelten sich Zuwanderer aus dem Rheinland, Schwaben und Bayern an. Das war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Es entstanden neue Teilfürstentümer, und als Folge davon gab es Bürgerkriege (um 1250 bis 1280). Für die ausländischen Krieger boten sich an den neu entstandenen Herzogshöfen gute Karriereperspektiven. (Quelle: Jurek 1996: 21–28). Die meisten Zuwanderer gehörten zu den unteren Schichten der deutschen Ritterschaft, wohl drei Viertel stammten aus Ministerialenfamilien. Bei der Ritterschaft gab es in Schlesien auch Angehörige von wohlhabenden und mächtigen Adelsgeschlechtern. Die meisten Ritter machten sich Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände oder gingen aus Abenteuerlust in Richtung Schlesien. Die ausgewanderten Ritter waren größtenteils jung und unverheiratet.

"In Schlesien kamen die zugewanderten Ritter vor allem an den Herzogshöfen unter. Nur eine kleine Minderheit bildeten jene Ritter, die in den Dienst der Breslauer Bischöfe oder anderer lokaler Mächtiger traten, sich keinen Herrn suchten, sondern kleine Landgüter erwarben oder sich schließlich in den Städten niederließen . Das eigentliche Ritterleben konnte sich nur am Hofe abspielen. Die Zuwanderer suchten sich am liebsten tüchtige, für ihre Kriegstaten und ihre Großzügigkeit berühmte Herzöge, manchmal aber auch die schwächsten, an deren Seite am leichtesten etwas zu gewinnen war. Zweifelsohne erfüllten sich die Hoffnungen der Immigranten zumeist. Sie erhielten nämlich prinzipiell von ihren neuen Herren Grundbesitz (manchmal sogar mehrere Landgüter), vielen verlieh man einkunftsträchtige Ämter, und vor allem rekrutierten sich gerade aus ihren Reihen die engsten herzoglichen Berater."

"Schon am Ende des 13. Jahrhunderts wurden die Fremden zur dominierenden Macht an allen schlesischen Höfen, wobei sie von den Herzögen gerne protegiert wurden. Die „Neuen“, die nicht in bestehende Strukturen eingebunden und ganz der Gnade des neuen Herrn ausgeliefert waren, erwiesen sich ja als perfektes Instrument in der herzoglichen Politik, den Einfluss der heimischen Mächtigen zu beschränken. Neben diesen Eigenschaften schätzte man weitere Vorzüge an den deutschen Zugewanderten. Sie brachten Lehnsgewohnheiten mit sich, die für die Herzöge günstiger waren als das traditionelle polnische Recht, da sie den Grundbesitz strenger mit einer Kriegsdienstpflicht verbanden und Familienerbrechte beschränkten. Auch bildeten sie eine nicht zu unterschätzende militärische Macht, da die Qualität ihrer Bewaffnung und Ausstattung sicherlich jene der polnischen Ritterschaft übertraf. Hinzu kam, dass die Deutschen damals den Ruf der besten Krieger genossen. "

Quelle: Tomasz Jurek (Poznań/Posen) Polnische, tschechische und deutsche Ritter in Schlesien.

Am Beginn meiner entfernten Vorfahren, die urkundlich im Urkundenbuch von Liegnitz erwähnt wurden, standen die Familien aus dem Hause „ von Brauchicz“, die sich in den allerersten Anfängen „ de Bruchacz“ nannten. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts hieß der Ort Krostenik, Chrostenik oder Chrustenik. Der kleine Ort kam in den Besitz der Familie von Brauchitsch. Schon bald nannte sich Chrostenik "Brauersdorf" oder "Bräuersdorf". Nach 1700 hieß der Ort dann "Brauchitschdorf". Im Jahr 1222 wurde die Pfarrkirche von Chrustenik gegründet, und zwar durch den Besitzer des Ortes namens Bonuslaus, der den Titel des "Eques auratus" (Ritter zum goldenen Sporn) inne hatte. Noch im gleichen Jahr 1222 starb jener Ritter Bonuslaus. Zur Gründung der Pfarrkirche von Chrustenik im Jahr 1222 wurde ein Gedächtnisstein errichtet, der im Schloss Brauchitschdorf aufbewahrt wurde.

Im Jahr 1288 wurde ein Petrus (Peter) von Bruchisch in einer Urkunde des Herzogs erwähnt. Peter de Bruchisch war ein Nachfahre des Ritters namens Velis, der als Velislav oder Velislaus Erwähnung fand. Der Ritter Velislaus beziehungsweise Velislav war Mitte des 13. Jahrhunderts nach Chrustenik in Niederschlesien eingewandert. Er siedelte in dem Ort, der in der deutschen Namensnennung einmal „Brauchitschdorf“ heißen sollte. Der kleine Ort liegt nahe der Stadt Lüben, im polnischen „Lubin“.

Am 7. Dezember 1259 wurde vom Herzog Boleslaus III. ((Calvus) von Schlesien und Liegnitz dem „Getreuen Ritter und Hof-Cavalier Velislav oder Boleslaus aus der Familie von Völss“ Grund und Boden, also das Erbgut Chrustenik mit dem Waldgebiet im benachbarten Tessin jenseits des Flusses, geschenkt. Der Wald bei Tessin war zwölf Hufen groß. Ritter Velislaus wurde von allen Steuern und Diensten befreit. Eine Ausnahme bildete der Dienst mit dem Ritterpferd innerhalb des Landes. Wenn Velislaus jedoch außerhalb des Landes Schlesien mit seinem Pferd unterwegs war, würde ihm für einen solchen Fall Hilfe zugesagt. Wenn er einen Schaden irgendeiner Art erleiden sollte, würde ihm dieser ersetzt werden. Der Ritter Velislaus wurde mit urkundlicher Bestätigung des Herzogs von Schlesien auch zum Richter des Dorfes ernannt. Ferner wurde vereinbart, daß auch die Nachfahren des Velislaus dieses Amt inne haben sollten. Velislaus erhielt die Erlaubnis, im herzoglichen Wald „Gola“, nahe des Dorfes Guhlau gelegen, Hasen und Rehe zu jagen.